28 Menschen mit Behinderung aus Kulmbach und Umgebung haben im Rahmen eines gemeinsamen Angebots der Offenen Behindertenarbeit der Diakonie Kulmbach und der Diakoneo Offenen Hilfen Bayreuth-Kulmbach den Bayerischen Landtag besucht. Dabei haben sie im Gespräch mit den Abgeordneten vor allem auch Verbesserungen der Barrierefreiheit und des Lohns in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung angeregt.
„Mein Freund möchte mit dem Bus oder dem Zug zur Kulmbacher Bierwoche kommen. Er sitzt aber im Rollstuhl und der Kulmbacher Bahnhof ist nicht barrierefrei für Rollstuhlfahrer. Es gibt keinen Aufzug und auch keine Möglichkeit die Gleise ebenerdig zu überqueren.“
Solche und weitere Herausforderungen im Alltag von Menschen mit Behinderung haben 29 Frauen und Männer vor kurzem im Bayerischen Landtag in einer Diskussionsrunde vorgebracht. Ihnen gegenüber, in einem großen Konferenzsaal, hörten drei Abgeordnete aus den Parteien SPD, Bündnis die Grünen und FDP interessiert zu.
Die Fachkräfte und Ehrenamtlichen der Offenen Behindertenarbeit der Diakonie Kulmbach und von Diakoneo Offenen Hilfen Bayreuth - Kulmbach, die das Angebot begleiteten, waren ebenfalls zugegen.
Im bayrischen Landtag haben die Menschen mit Behinderung viele Informationen und vor allem Tipps für praktische Hilfsangebote erhalten.Die Abgeordneten bedauerten die fehlende Barrierefreiheit. Sie verwiesen jedoch darauf, dass der Ausbau der Bahnhöfe – trotz finanzieller Unterstützung durch den Bund – in den Händen der Bahngesellschaften liege. DieAnsprechpartnerin der FDP schlug jedoch vor, dass in solchen Fällen Mitglieder der Jungpartei helfen können und hat am Ende der Diskussionsrunde die Kontaktdaten des fragenden Teilnehmers aufgenommen.
Trennung statt Gemeinschaft bei Veranstaltungen?
Doch Barrierefreiheit geht noch weiter: „Warum gibt es für Rollstuhlfahrer an öffentlichen Veranstaltungsorten nur zugewiesene Sitzplätze?“, fragte eine Teilnehmerin. Die Rede ist von ausgewiesenen Arealen etwa inFußballstadien oder auch Theatern. „Auch als Rollstuhlfahrerin und Rollstuhlfahrer möchte man sich die Plätze aussuchen können“, so die Teilnehmerin. Der zugewiesene barrierefreie Bereich verhindere auch den Kontakt zu der restlichen Gruppe mit Menschen ohne Gehbehinderung, mit der man das Event gemeinsam erleben möchte.
Auch derStand der Dinge zum europäischen Schwerbehindertenausweis sowie der Lohn in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung waren Gesprächsthemen: Letzterer stehe seit langer Zeit in Aussicht, jedoch betonten die Abgeordneten in diesem Fall die Reduzierung von Sonderleistungen, etwa für Erstausstattung.
Kontakt macht Politik nahbar
Erklärungen in einfacher Sprache und die Gelegenheit, bei den Abgebordneten direkt nachzufragen schufen einen regen Austausch: „Durch die Diskussion, die realen Gesprächspartner und die eigenen Anliegen der Teilnehmenden haben die Frauen und Männer Politik als nahbar erlebt“, so resümieren die Mitarbeitenden der Offenen Behindertenarbeit.
Die vergangenen Landtagswahlen in Bayern erhalten nun für die Menschen mit Behinderung in Stadt und Landkreis Kulmbach – in Kombination mit der vorherigen Führung zur Geschichte des Landtaggebäudes sowie einem kurzen Film zur Arbeit im Landtag – eine völlig neue Bedeutung: So funktioniert Politik und gemeinsam kann man in einer Demokratie etwas bewegen!“
Info zur Kooperation der Offenen Behindertenarbeit OBA mit Diakoneo Offenen Hilfen Bayreuth-Kulmbach im Landkreis Kulmbach:
Die Offene Behindertenarbeit der Diakonie Kulmbach und Diakoneo Offenen Hilfen Bayreuth-Kulmbach mit Sitz in Himmelkron teilen sich ihre Arbeit im Landkreis Kulmbach für erwachsene Menschen mit Behinderungen, bzw. von einer Behinderung bedrohter Menschen und deren Angehörigen. Sie bieten Beratung, Freizeit- und Bildungsangebote, Familienentlastenden Dienste für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige an. Zusätzlich gibt es auch das Betreute Wohnen für Menschen mit Behinderung, die selbstständig wohnen möchten.
Info zum Werkstattlohn und Lebensunterhalt:
Menschen mit Behinderung erhalten i. d. R. einen Lohn in Höhe von etwa 150 Euro.
Zusätzlich gibt es die Grundsicherung, diese wird nach den Regelbedarfsstufen ermittelt.
Zusätzlich Leistungen die erhalten werden können, sind Leistungen für den Mehrbedarf, Leistungen für einmalige Bedarfe (z. B. Erstausstattung), Leistungen für Kranken- und Pflegeversicherung, Leistungen für Bildung und Teilhabe sowie Leistungen für Unterkunft und Heizung.